WM-Klima im Unterhaus

08-11-2001

KUNSTTURNEN: Leopoldshöhe startet mit Ambitionen in die Zweitliga-Saison

Leopoldshöhe (ok). Seit nunmehr sieben Jahren schnuppern die Kunstturner des TuS Leopoldshöhe Bundesliga-Luft. Während die Westlipper zwischenzeitlich sogar für ein Jahr den Hauch von Liga eins einatmen durften, haben sie sich inzwischen an das angenehme Klima im Unterhaus der Eliteklasse gewöhnt. Aber vielleicht könnte in dieser Saison ein Platz an der Sonne wieder für Traum-Gefühle sorgen.

Denn in der am Samstag mit dem Wettkampf in Potsdam beginnenden Saison in der 2. Kunstturn-Bundesliga, Staffel Nord, qualifizieren sich die beiden erstplatzierten Mannschaften für die Relegation. Aber in die Rolle des Aufstiegsanwärters lassen sich "die Höher" keineswegs drängen. "Potsdam und Siegerland sind die Favoriten", unterstreicht Nils Nagel, ein Mann der ersten Stunde beim TuS Leopoldshöhe, die Ambitionen der Konkurrenten. Und gerade diese beiden sind am Samstag die ersten Gegner der TuS-Riege in der auf Grund der späten Terminierung der Weltmeisterschaft veränderten Wettkampfserie. Allerdings strebt der Vorjahresdritte erneut eine vordere Platzierung an.

Sapronenko ist im Sechskampf immer für 54 Punkte gut

Schließlich stellt der TuS Leopoldshöhe mit dem Letten Jewgeny Sapronenko den aktuellen Vize-Weltmeister am Sprung. Im Gegensatz zum vergangenen Jahr ist der Student aus Riga momentan verletzungsfrei und im Sechskampf immer für 54 oder mehr Punkte gut.

Die Leo-Institution Frank Pollmeier (geht in sein neuntes Jahr) will zudem im Mehrkampf die DM-Qualifikation schaffen. Hinzu kommt mit Neuzugang Falk Seliger ein Bundesliga erfahrener Turner, der am Boden, Sprung und Reck seine Stärken hat, sowie mit dem 21-jährigen Jens Sieveke ein hoffnungsvolles Talent aus den eigenen Reihen. Bleibt die "Berliner Fraktion" mit Miroslaw Tam, Emanuel Schultz, Steffen Jahn und Thomas Neitzel, die mit ihrem Stammverein SC Berlin trainieren und für die Leos auf Punktejagd gehen, sowie Routinier NilsNagel.

Mit Spannung werden damit die Wettkämpfe nur eine Woche nach Beendigung der WM erwartet. Neben Sapronenko sind mit Erik Revelins (Potsdam) und Denis Zbickis (Leverkusen, im Jahr 2000 noch für den TuS aktiv) zwei weitere lettische Nationalturner in dieser Liga aktiv. Der rumänische Mehrkampfvierte Dan Potra (Heusenstamm) und der finnische Reckfinalist Jari Mönkkönen (Oberhausen) vervollständigen den Kreis der Spitzenturner und sorgen für ein herbstliches Hochdruckgebiet über der Staffel Nord der 2. Liga.


ZUR SACHE: Zu kurz Acht Monate oder sogar ein bisschen mehr – Fußball- oder Handballspieler haben sich an die Länge der Serien gewöhnt und klagen schon einmal über zu wenig Verschnaufpausen. Kritik ist auch im Turnlager spürbar. Aber: Hier wird der Ansatzpunkt in der Kürze der Saison gesucht. In nur vier Wochen wird die Saison der 2. Bundesliga durchgeboxt. „Lächerlich“, findet Leopoldshöhes Marketing-Mann Nils Nagel.

Dass die Lipper außerdem nur in den Genuss eines einzigen Heimwettkampfes kommen, setzt dem Ganzen die Krone auf. Die Präsenz wird immer weniger: Eine (Rand-)Sportart auf dem Rückzug? Die Verantwortlichen wiegen das Negative mit dem Positiven, sprich höhere Attraktivität, auf. Doch: Wie soll ein Dorf-Verein in Zukunft die Bundesliga finanzieren können? Der TuS schafft es (noch) – und das ist aller Ehren wert.

VON OLIVER KÖNIG
(Neue Westfälische 8.11.01)


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