TuS Leopoldshöhe gewinnt gegen Leverkusen

14-10-2002

2. Kunstturn-Bundesliga: Bayer 04 Leverkusen - TuS Leopoldshöhe 184,60:194,30

Erik Revelins weltklasse

Leverkusen (Lü). Mit einer Ringeübung der Kategorie ?Weltjahresbestleistung“ hat Erik Revelins am Wochenende auf sich aufmerksam gemacht. Im ersten Auswärtswettkampf der 2. Kunstturn-Bundesliga brannte der für den TuS Leopoldshöhe turnende Lette geradezu ein Feuerwerk an Höchstschwierigkeiten ab. Damit reihte er sich eindrucksvoll in den Kreis der WM-Favoriten ein.

?Wenn er auch bei der WM in Budapest im November auf 9,70 Punkte kommt, ist er an den Ringen nicht zu schlagen“, so Heimkampfrichter Sven Tippelt. Er hatte mit seinen drei Kollegen die Höchstnote 10,0 als Ausgangswert ermittelt und konnte für Eriks Galavorstellung nur drei Zehntel abziehen. Selbstredend, dass damit nicht nur die Tageshöchstnote gefallen, sondern der gesamte Wettkampf entschieden war. Nach dem dritten Gerät lag Leopoldshöhe mit 8,70 Punkten uneinholbar in Führung und gewann den Wettkampf schließlich auch souverän mit 194,30:184,60 Punkten.

?Daß wir hier so überlegen auftrumpfen, damit hätte ich nicht gerechnet. Ist aber um so schöner“, dieses Fazit zog Teamchef Friedrich-Wilhelm Nagel. Nach dem überlegenen Auftaktsieg gegen Koblenz am vergangenen Wochenende steht also ein weiterer Triumpf auf der Habenseite der Lipper, die jetzt zusammen mit dem ehemaligen Bundesligisten SV Halle die Tabelle der 2. Kunstturn-Bundesliga anführen (4:0 Punkte, 22:2 Gerätepunkte).

Gleichzeitig erfüllten sie einen Herzenswunsch des Teamchefs: ?Am liebsten wäre mir, wir würden hier mit 10 Punkten Unterschied gewinnen.“ In der Mannschaftsbesprechung vor dem Wettkampf wurden diese Gedanken noch belächelt. Schließlich turnte man gegen einen der renommiertesten Sportvereine in Deutschland, dazu noch auswärts und ohne zu wissen, wie stark der in Bestbesetzung antretende Gegner sein würde. Dennoch schienen sich die Mannen um Trainer Jens Fischer den Wunsch zu Herzen genommen zu haben, anders ist die anschließend eingetretene verblüffende Deckungsgleichheit zwischen Wunsch und Wirklichkeit wohl nicht zu erklären.

Gleich am Boden legten Miroslaw Tam, Falk Seliger, Thomas Neitzel und Erik Revelins los, wie die Feuerwehr. Mit 2,35 Punkten gingen sie in Führung und kamen nah an die vorher ermittelte Optimalausbeute heran. Das nahm den Druck von der Mannschaft. ?Gerade vor dem Seitpferd ist das sehr wichtig“, erklärte Trainer Jens Fischer. ?Hier ist das Risiko eines Absteigers besonders hoch.“ Nervenstärke bewiesen neben Erik Revelins dann auch Steffen Jahn, Ronald Mahnke und Ronny Jatzek. Alle turnten durch, auch das zweite Gerät ging an den TuS (31,90:28,75). Anschließend folgte die besagte Traumübung von Erik Revelins an den Ringen. Spätestens da kam Euphorie auf. ?Allein diese Übung war das Eintrittsgeld wert“, so die Meinung vieler Gäste. Sie sahen eine beinahe perfekt gestaltete Darbietung mit maximalem Schwierigkeitsgrad und fragten sich anschließend, wie die Gesetze der Schwerkraft scheinbar mühelos ausser Kraft gesetzt werden können.

Am Sprung setzte der Lette dann noch einen drauf. 9,30 Punkte gab es für einen spektakulären Tsukahara mit Doppelschraube, die zweithöchste Wertung an diesem Nachmittag. Nebensächlich zu erwähnen, dass die Lipper auch das vierte Gerät für sich entschieden. Das gelang am Barren jedoch nicht. Trotz akribischer Vorbereitung mit Zuckerwasser und Magnesia bekam man die parallelen Holme nicht richtig zu fassen und gab die Gerätewertung mit 30,20:31,00 ab. Ein nicht ganz ernst gemeinter Erklärungsversuch kam von Trainer Jens Fischer: “Die Zuckermischung stimmte nicht.“

Am Reck gab man sich aber keine Blöße mehr. Dem erst 20 Jahre alten Christian Hackel gelang hier eine vielumjubelte 7,70 (?Suu-per-Schorsch“), Thomas Neitzel mit sicherem ?Kovac“ eine ?Bombenübung“ (8,30) und Ronald Mahnke steuerte eine 7,75 bei, obwohl er kurzzeitig für Aufregung sorgte. ?Der Hang war komisch, ich dachte, was macht er denn jetzt?“, beschrieb der Trainer seinen Eindruck vor dem Abgang. Auch die anderen waren etwas verwirrt, als er auf der Matte zum Stand kam: ?Wie kann man so langsam einen Dreifachsalto rumdrehen?“ Hier zeigte sich aber auch, dass keiner zurücksteckte, obwohl der Sieg schon feststand. Die Mannschaft beeindruckte durch ihre Bereitschaft, schwierige und riskante Teile unter Wettkampfbedingungen auszuprobieren.

?Mit dieser Einstellung blicken wir zuversichtlich auf die kommenden Aufgaben“, so Teamchef Friedrich-Wilhelm Nagel. In zwei Wochen geht es dann ins Siegerland, wo man gegen den noch sieglosen SKV klar favorisiert ist. Der nächste Heimwettkampf findet in der Leopoldshöher Zweifachhalle am 09.11.02 um 15:00 Uhr gegen TTT Köln statt. Kartenvorverkauf: 05208/6445 oder 05208/7175.


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