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Nur knapper Sieg der Leos gegen die SKV
27-10-2002
2. Kunstturn-Bundesliga:
SKV Siegerland – TuS Leopoldshöhe 187,20:187,55
Dramatik pur
Dreistiefenbach (Lü). Nichts für schwache Nerven war der dritte Wettkampftag in der 2. Kunstturn-Bundesliga für die Turner des TuS Leopoldshöhe. In einem an Dramatik kaum noch zu überbietenden Vergleich gewann der TuS Leopoldshöhe glücklich beim SKV Siegerland mit 187,55:187,20 Punkten. Leopoldshöhe bleibt damit Tabellenführer SV Halle dicht auf den Fersen.
„Heute wären wir beinahe tragisches Opfer des neuen Wettkampfmodus geworden“, so Trainer Jens Fischer. „Die Joker-Regelung hat uns ganze acht Punkte gekostet.“
Was war passiert?
Zunächst nahm der Wettkampf einen ganz normalen Verlauf. Leopoldshöhe hatte am ersten Gerät nicht nur die schwierigeren Übungen, sondern auch die besseren Haltungsnoten. Miroslaw Tam, Falk Seliger, Thomas Neitzel und Erik Revelins kamen am Boden auf 32,65 Punkte und gingen mit fast zwei Punkten Vorsprung in Führung.
Auch am Seitpferd war Leopoldshöhe klar die bessere Mannschaft (31,95:30,35), obwohl es hier schon turbulenter zuging. „Wir sind klar benachteiligt worden“, so Teamchef Friedrich-Wilhelm Nagel bei der Analyse. „Insgesamt wurden uns am Seitpferd fast vier Punkte für leichte Haltungsfehler abgezogen. In den vorangegangenen Wettkämpfen waren´s im Schnitt nur drei.“ Heftige Proteste blieben jedoch ohne Folgen für die Wertungen.
Erik Revelins schienen die strengen Noten seiner Mannschaftskameraden allerdings völlig unbeeindruckt zu lassen. Er turnte eine blitzsaubere Übung und sorgte mit 9,55 Punkten für die Tageshöchstwertung. „Nachdem es beim Weltcup in Paris am Seitpferd nicht so gut gelaufen war, hatte ich mir für heute besonders viel vorgenommen“, so der junge Lette.
An den Ringen sorgte er für ein weiteres Highlight. Seine Übung ist hier 10,0 Punkte wert und gehört damit zu den besten der Welt. 9,30 Punkte sprangen am Ende heraus. Leopoldshöhe gewann verdient die Ringe-Wertung und lag nach drei Gerätedurchgängen mit 6,95 Punkten Vorsprung in Führung. „Normalerweise ist der Wettkampf damit gelaufen“, so der Teamchef. Aber dann kam der Sprung.
Erster Turner: Steffen Jahn. Haltungsfehler, Stand nicht optimal – Trainer Jens Fischer zog den Joker. „Ein nachvollziehbarer Schritt“, urteilten die mitgereisten Fans. „Mit 7,50 Punkten für diesen Sprung hätten wir das Gerät wahrscheinlich verloren gegeben.“ Die Konsequenz: Der Sprung wurde nicht gewertet und ein weiterer Leopoldshöher durfte turnen. Ein ganz normaler Vorgang. An maximal drei Geräten darf der Trainer jeder Mannschaft von diesem Vorteil Gebrauch machen, allerdings nur einmal. Daraus folgt: Alle jetzt noch kommenden Sprünge kommen auf jeden Fall in die Wertung.
Ronald Mahnke (8,60) und Falk Seliger (8,90) glänzten. Der Vorsprung wurde ausgebaut. Dritter Springer: Erik Revelins. Der hatte Pech, rutschte unglücklich ab und landete auf der Seite. Den Zuschauern stockte der Atem. Erik rappelte sich wieder auf. Zum Glück konnte er weitermachen, blieb unverletzt. Dann aber Aufregung. Wie würden die Kampfrichter reagieren? Den Leopoldshöhern schwante Unheil und tatsächlich – der Sprung wurde mit Null Punkten bewertet. Keine Proteste, jeder kannte die Wertungsvorschriften.
Nervös der Griff zum Taschenrechner. Würde der Vorsprung reichen? Nach 8,65 Punkten von Thomas Neitzel blieben 26,15 Zähler für Leopoldshöhe. Der SKV turnte 34,05. Es reichte nicht, nach vier Geräten lag der TuS plötzlich knapp einen Punkt hinten. Und das schwächste Gerät sollte noch kommen: Barren. Steffen Jahn, Ronny Jatzeck, Falk Seliger und Erik Revelins gaben ihr Bestes. Dennoch: Auch dieses Gerät ging verloren. Der Zwischenstand vor dem abschließenden Reck: 154,85:156,55.
„Da habe ich schon alle Fälle schwimmen gesehen“, so Teamchef Friedrich-Wilhelm Nagel. „Was die Mannschaft dann aber gezeigt hat, ist phänomenal.“ Von Selbstaufgabe keine Spur – im Gegenteil. Man steckte die Köpfe zusammen und schwor sich: „Jetzt erst recht, das Ding gewinnen wir noch.“ Christian Hackel (7,35), Steffen Jahn (7,95), Thomas Neitzel (8,35) und Erik Revelins (9,05) gingen hochkonzentriert zu Werke und machten das Unmögliche doch noch möglich. Mit 32,70:30,65 gewannen sie das Reck – und letztendlich den Wettkampf.
„Das hat Nerven gekostet aber wir bleiben im Rennen“, so Trainer Jens Fischer. 6:0 Punkte stehen zu Buche und der nächste Gegner (TTT Köln) ist ebenfalls schlagbar.
Die Erfahrung im Siegerland zeigt jedoch: Alles ist möglich und Papier ist geduldig. Die Lipper hoffen also auf breite Unterstützung und eine große Fangemeinde. Der Wettkampf findet am 09.11.02 um 15 Uhr in der Leopoldshöher Zweifachhalle statt (Grundschule Nord). Kartenvorverkauf: 05208/6445.
Gerätewertungen: (die erstgenannte Wertung ist jeweils die des SKV Siegerland, die zweite die des TuS Leopoldshöhe, Differenz aus Sicht der Leopoldshöher)
Boden: 30,70 : 32,65 (+1,95)
Seitpferd: 30,35 : 31,95 (+1,60)
Ringe: 29,20 : 32,60 (+3,40)
Sprung: 34,05 : 26,15 (-7,90)
Barren: 32,25 : 31,50 (-0,75)
Reck: 30,65 : 32,70 (+2,05)
Sechskämpfer:
1. Vladimir Virski (SKV Siegerland): 51,45
2. Erik Revelins (TuS Leopoldshöhe): 45,65
3. Adrian Kuchta (SKV Siegerland): 43,50
Tabelle: (Verein/Punktzahl/Gerätewertungen)
1. SV Halle, 8:0, 46:02
2. TuS Leopoldshöhe, 6:0, 30:06
3. TS Wolfsburg, 6:2, 24:24
4. KTV Koblenz/Niederwörresbach, 4:2, 24:12
5. SKV Siegerland, 2:6, 16:32
6. Bayer 04 Leverkusen, 0:8, 08:40
7. TTT Köln, 0:8, 08:40
Weitere Ergebnisse vom 4. Wettkampftag
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