Duell eins gegen eins
10-10-2003
TURNEN: Heimpremiere des Zweitligisten TV Isselhorst mit neuem Wertungssystem
Isselhorst (cab). Zur Heimpremiere des Zweitligaaufsteigers TV Isselhorst können Turn-Fans am Samstag ihre
Taschenrechner zu Hause lassen. Statt komplizierter Kommazahlen müssen sie nur noch einfache Punkte addieren.
Und können so den aktuellen Zwischenstand nach jedem Turner problemlos verfolgen.
Seit Saisonbeginn werden die nationalen Ligawettkämpfe nach dem "Score-System" ausgetragen. Trotz
einiger anfänglichen Verwirrungen glaubt der Isselhorster Teammanager Matthias Mismahl, dass die Zählweise
ihren Zweck erfüllt: "Sie sorgt für mehr Spannung." Der Zuschauer könne sich, ähnlich wie beim Skispringen,
jetzt auf ein direktes Duell konzentrieren: Turner gegen Turner, viermal an jedem der sechs Geräte.
Beispiel Pferdsprung: Ein Athlet der Heimmannschaft zeigt seine Übung, wie früher geben die Kampfrichter
Noten bis 10,0 - ohne diese zu zeigen. Der Gäste-Trainer hat nun 30 Sekunden Zeit, einen Turner seines
Teams auszuwählen. Der springt ebenfalls, die Richter urteilen wieder - und zeigen dann einen Wert
zwischen Null und Fünf an: die Scorer-Punkte. Die berechnen sich aus der Differenz der herkömmlichen
Noten. Für 0,1 Notenpunkte Vorsprung gibt es einen Punkt, für 0,2 zwei Punkte und so weiter - bis maximal
fünf Punkte. Ein Team kann ein Gerät höchstens 20:0 gewinnen.
Am nächsten Gerät fängt die Gästemannschaft an, so dass jede Riege dreimal den Vorteil hat,
nachlegen zu dürfen. Wer am Schluss die meisten Scorer-Punkte gesammelt hat, ist der Sieger.
So kann es auch passieren, dass eine Mannschaft verliert, obwohl sie in der Addition der
herkömmlichen Einzelnoten besser gewesen wäre. Isselhorsts Top-Turner Frank Pollmeier ist
sich aber sicher: "Auch nach dem neuen System setzt sich das Team mit den besseren Turnern durch."
Allerdings dürfen dem Trainer bei der Aufstellung nicht zu viele Fehler unterlaufen. Bei der
35:41-Auftaktniederlage gegen den KTV Ruhr-West versuchte es TVI-Coach Bruno Piplies mit zwei
taktischen Varianten: Er ließ einmal seinen besten Mann gegen den stärksten Mühlheimer Turner
antreten, um den Wettkampf ausgeglichen halten und versuchte an einem anderen Gerät, mit einem
starken gegen einen schwachen Turner viele Punkte zu holen. "Ein Erfolgsrezept gibt es nicht",
sagt Mismahl, "auch die Trainer müssen sich eingewöhnen."
Zudem können Fehlurteile alle Überlegungen auf den Kopf stellen: Ein Turner berührt beim Abgang
vom Reck den Boden, was zwar der gegnerische Trainer, nicht aber das Kampfgericht sieht. Der Coach
lässt einen schwächeren Mann antreten, um mit wenig Einsatz die Punkte zu holen, doch die zu hohe
Wertung für den "Stürzer" macht ihm einen Strich durch die Rechnung. Der Vorteil ist zum Nachteil geworden.
Eine weitere Neuerung: Die Turner haben nur noch eine Stunde vor dem Wettkampf Zeit, sich an allen
sechs Geräten aufzuwärmen. Der Wettbewerb wird kürzer, da die Pausen zwischen den Geräten entfallen.
"Das ist für uns die größte Umstellung", sagt Pollmeier. Die Trainer müssen ihrerseits die Kontrahenten
genau unter die Lupe nehmen. Nur wenn sie deren Leistungsstärke richtig einschätzen, können sie auch
ihre Turner optimal einsetzen.
Am Samstag (16 Uhr) sollte Piplies gegen den KTV Koblenz ein glückliches Händchen beweisen.
Mismahl: "Taktische Fehler dürfen wir uns nicht erlauben, sonst haben wir keine Chance."
Quelle: nw-news.de
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